Freud und Leid des Kunsthandwerkers... oder

... warum ist Kunsthandwerk so wenig wert?

Heute möchte ich wieder ein klein wenig zum Nachdenken anregen. Anstoß dazu gab mir ein geteiltes Posting eines Freundes bei Facebook. Wer es selber nochmal nachlesen möchte, kann diesem Link folgen.

Kurzfassung ist jedenfalls, dass sich eine Kundin besonders klug vorkam, als sie bei einer Kunsthandwerkerin ein Armband bestellte und dieser vorrechnete, wie hoch die Materialkosten wären und dass sie eben diesen Betrag für das betreffende Armband bezahlen wollte. Die Kunsthandwerkerin mit dem Preis einverstanden versprach ihr, die Bestellung zuzusenden. Die Kundin war nach dem Erhalt des Päckchens allerdings verärgert, als sie feststellte, dass sie das Armband ungefertigt erhielt, dafür aber alle Einzelteile. Als sie sich bei der Kunsthandwerkerin beschwerte, bekam sie zur Antwort "My dear, you got exactly what you paid for, if you think there is something missing, then you will need to pay for it." (Meine Liebe, Du bekamst genau wofür Du bezahlt hast. Wenn Du denkst, dass etwas fehlt, dann wirst Du dafür bezahlen müssen).

Meiner Ansicht nach trifft die Antwort den Nagel genau auf den Kopf. Allerdings beschreibt das Geschehene den Alltag aller Künstler und Kunsthandwerker: die Allgemeinheit denkt, dass Selbstgemachtes nur wenig kosten darf. Selbst bei den Materialkosten kommt es immer wieder vor, dass Leute handeln wollen. Aber, ist Kunsthandwerk im Grunde nicht mehr wert, als Massenware?

Wir Kunsthandwerker haben viel Freude an dem, was wir tun und nicht selten gehört auch eine nicht zu verachtende Portion Talent dazu. Es gibt verschiedene Gründe, weshalb sich jemand entscheidet, den Lebensunterhalt mit Kunsthandwerk zu verdienen. Das muss aber jedem selber überlassen und soll an dieser Stelle nicht das Thema sein.

Fakt ist, dass es auf dem Markt viele tolle Dinge gibt, wo durchaus Kaufinteresse besteht, die Kunden aber häufig nicht zugreifen, weil es ähnliche Massenware wo anders günstiger gibt. Massenware wird idR im Ausland produziert, wo der Stundenlohn deutlich günstiger ist, als in Deutschland. Hinzu kommt, dass das Endprodukt häufig in der Verarbeitung nicht ganz so hochwertig ist und auch das Ausgangsmaterial nicht immer den höheren Ansprüchen eines Künstlers und Kunsthandwerkers entspricht. Noch einige weitere Faktoren ermöglichen den günstigeren Preis von Massenware. Aber dies alles hier aufzuführen würde so ziemlich den von mir beabsichtigten Rahmen sprengen.

Fakt ist also, dass Künstler und Kunsthandwerker bei den unverschämt günstigen Preisen der Massenware preislich nicht mithalten können.

Fakt ist aber auch, dass Künstler und Kunsthandwerker keine Wegwerfware herstellen! Die Käufer sollen viel Freude am gekauften Produkt haben und wissen, dass sie etwas Besonderes erworben haben. Häufig tatsächlich Einzelstücke oder sogar individuelle Stücke nach Kundenwunsch gefertigt. Künstler und Kunsthandwerker, die es mit ihrer Kunst ernst meinen, verarbeiten keine Billigware. Verbringen viel Zeit mit dem Entwurf, Materialbeschaffung und Herstellung. Schon so banale Dinge wie die Farbzusammenstellung eines Schmuckstücks kann viele Stunden beanspruchen. Was in den Perlenröhrchen ganz ansprechend aussieht, kann im fertigen Schmuckstück z.B. ziemlich langweilig wirken.

Immer wieder hört man von Leuten, die etwas Bestimmtes ganz toll machen, es aber nur für sich selber anfertigen und alle Anfragen ablehnen, weil sie nie so viel bekommen würden, wie sie für das gefertigte Produkt verlangen müssten. Genauso gibt es unzählig viele Leute, die hobbymäßig für knapp mehr als Materialkosten ihre Ware verkaufen. Also zu einem Stundenlohn, der für einen richtigen Künstler und Kunsthandwerker das Aus bedeutet. Hauptsache, sie können sich auf diese Weise ihr Hobby finanzieren.

Mich hat jedenfalls das Posting bei Facebook heute ziemlich lange beschäftigt und ich habe viel darüber nachgedacht. Wenn uns allen wirklich an Kunst und Kunsthandwerk etwas liegt, dann wird es Zeit, dass wir vom "Geiz-ist-geil"-Gedanken weg kommen. Lieber etwas mehr für etwas Besonderes bezahlen (was es auch wert ist) als die Schränke mit Dingen zu befüllen, die jederzeit austauschbar sind.

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