Konsumgesellschaft und Copyright

Eigentlich habe ich momentan keine Zeit zum Bloggen. Aber ich stolperte heute wieder über ein Thema, welches mich schon seit einiger Zeit immer wieder beschäftigt: Die selbstverständliche Ignoranz im Umgang mit Ideen anderer, die womöglich von ihrer Kunst und Ideen auch noch leben.

Früher habe ich mir darüber gar keine Gedanken gemacht. Handarbeiten sind für mich nichts ungewöhnliches und es war auch lange kein Thema, zu berechnen, wieviel ich für etwas Selbtgemachte berechnen müsste, wenn ich es verkaufen würde. Zwischenzeitlich ist es anders. Jedoch wurde mir als erstes bewusst, dass man hierzulande lange nicht das verlangen kann, wieviel man aufgrund von Arbeitszeit und -material verlangen müsste. Geiz ist geil - viele leben nach diesem (leider) bekannten Werbeslogan.

In unserer heutigen Konsumgesellschaft kann man sich alles kaufen. Je nach finanziellen Mitteln kann man sich sogar eine Haushaltshilfe und persönlichen Koch leisten und braucht somit nicht mal den kleinsten Finger zu krümmen, um seine materiellen Bedürfnisse zu stillen. Ich vermute, dass aus diesem Grunde so vielen Leuten das Bewusstsein abhanden gekommen ist, dass alles was existiert Zeit braucht, aus bestimmten Materialien besteht und in den meisten Fällen auf Ideen/Kreativität/Können/Talent bestimmter Leute beruht. Und besonders letzteres ist nicht käuflich. Entweder man hat es, oder man hat es nicht.

Bevor ich mich jetzt in zu viele Erklärungen verheddere, möchte ich gerne auf diesen offenen Brief von Sabine Lippert verweisen. Denn darum geht es. Und das gibt es nicht nur in der Perlenszene. Meinen ersten Kontakt mit solcher Hemmungslosigkeit hatte ich beim Maschinensticken, mit welcher Freigiebigkeit die ganzen Stickdesigns per CD, DVD, eMail und sonstigen Möglichkeiten unter den MaschinenstickerInnen in Umlauf gebracht werden. Erschreckend. Meine Stickmaschine war gerade mal ein paar Tage alt, als ich von einer Bekannten Überraschungspost erhielt: 5 CDs gerappelt voll mit Stickmotiven. Wow, war ich am Anfang begeistert.

Heute, nach gut 10 Jahren im Besitz von zwischenzeitlich zwei Stickmaschinen kann ich sagen, dass ich nicht ein Motiv dieser Stickdateien verwendet habe. Die CDs sind bei irgendeinem Umzug aufgrund des Ausmistens im Müll gelandet und ich habe es bis heute noch nicht bereut. Warum? Mich interessierte das ganze Spektrum der Möglichkeiten mit meinen Maschinchen, sodass ich recht bald auch mit dem Digitalisieren begann. Nachdem ich sogar einen kleinen Wettbewerb (und das auch noch als Anfänger) gewann wurde mir bewußt, dass ich mich dabei nicht so wirklich blöd anstelle. ABER das Digitalisieren hat es in sich. Angefangen bei sauteurer Software über zeitaufwändiges digitalisieren bis hin zu vielen, vielen Teststickereien, die zum Teil auch recht zeitaufwändig sind. Zudem haben mich 99% der Stickmotive nicht interessiert.

Das, was für mich von Interesse war, habe ich meist bei OESD bestellt und mir dann über meinen dortigen Account herunter geladen. Ein paar gekaufte CDs habe ich auch. Einmal habe ich sogar extra im Ausland bestellt und höhere Frachtkosten in Kauf genommen, weil mir die Motive so gut gefielen und ich unbedingt etwas davon sticken wollte. Wie gierig sich manche Mitstickerinnen auf diese CD stürzten und mich fast sabbernd überzeugen wollten, ihnen die CD zu brennen... ich muss gestehen, ich habe mich in der örtlichen Maschinenstickerszene ziemlich unbeliebt gemacht. Ich bin diesem Stickmustersammelwahn nicht erlegen und habe gelernt, die Arbeitszeit und Kreativität anderer zu schätzen und zu respektieren. Absolut irrsinnig fand ich es allerdings, als ich erfuhr, dass eine Nähmschinenhändlerin besondere KundInnen ebenso mit gebrannten CDs versorgte. Man ist ja privat auch ein wenig befreundet...

Ein weiteres Beispiel: Mit einer Nachbarin war ich vor ein paar Jahren in Stuttgart auf der Kreativmesse. Wir sahen dort einen Stand mit lustigen Hexen und Drachen, für die man Bastelanleitungen oder sogar ganze -kits kaufen konnte. Am Stand der Künstlerin war ein Schild mit der Bitte, dass an diesem Stand keine Fotos gemacht werden dürften. Meine damalige "kreative" Nachbarin regte sich tierisch darüber auf. Worüber, brauche ich an dieser Stelle bestimmt nicht erklären. Mir ging dabei so ziemlich der Hut hoch, denn eine Anleitung kostete gerade mal 5€. Mein Bedürfnis, mit dieser Nachbarin etwas zu unternehmen und mich kreativ auszutauschen, war gestillt.

Seit wenigen Jahren perle ich. Nicht viel, aber gelegentlich und mit Leidenschaft. Ich bewundere die Kreativität der KünstlerInnen. Vermutlich werde ich mit meiner Gelegentheitsperlerei nie dieses hohe Niveau erreichen. Aber das stresst mich nicht sonderlich. Es gibt tolle Anleitungen in Magazinen, Büchern, Kursen oder als einzelne Anleitung zu kaufen. Da ist es manchmal schon schwieriger, die dafür notwendigen Perlen zu besorgen. Und wenn man doch mal selber etwas geperltes verkaufen möchte, ist dies meines Wissens nach auch kein Problem: Wenn man den/die KünstlerIn höflich fragt, haben die wenigsten etwas dagegen, so lange es sich dabei nicht um die entsprechende Anleitung handelt.

Unsere heutige Konsumgesellschaft hat zu viele Menschen vergessen lassen, dass Kunsthandwerk etwas besonderes ist und nur dann erhalten werden kann, wenn man das Copyright respektiert. Auch die Geiz-ist-geil-Mentalität ist hier nicht angebracht. Egal, worum es im Kunsthandwerk geht, bedenkt bitte, dass viele KünstlerInnen von ihrer Kunst leben. Oder würde von Euch jemand für 1€ oder weniger Stundenlohn (brutto) arbeiten wollen?

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